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XP-Aktivierung - Neue Studie stellt Vertrauenswürdigkeit in Frage

16.02.2002 - Sylvain Coiplet

Vor einigen Monaten hatte Microsoft eine Auftragsstudie veröffentlichen lassen, die ihn von dem Vorwurf der Datenschnüffelei bei der Zwangs-Aktivierung von Windows XP reinwaschen sollte.

Datenschützer hatten nach dem Erscheinen von Windows XP herausgefunden, daß bei der Aktivierung Datenmengen von 72 KByte an Microsoft übermittelt werden. Die Produkt-ID besteht hingegen nur aus einem 50-stelligen Code, wozu keine Textmenge von 72 KByte übermittelt werden muß, was immerhin 18 DIN-A4-Seiten Text entspricht. Diese Bekanntgabe hatte bei den XP-Anwendern zu Recht Verunsicherungen hervorgerufen. Statt die Aktivierungsfunktion zu überarbeiten, beauftragte Microsoft die TÜViT damit, die XP-Anwender durch eine möglichst unabhängig erscheinende Studie zu beruhigen. Obwohl diese Studie offensichtliche Mängel zeigte, waren viele PC-Zeitschriften auf den PR-Trick hereingefallen.

Nun wurde Wolfgang Redtenbacher, der unter anderem für die Deutsche Akkreditierungsstelle Technik (DATech) arbeitet, von einigen sicherheitsbewußten Unternehmen mit der Analyse der TÜViT-Studie beauftragt. Seine Kritik an der TÜViT-Studie ist verheerend, so daß er zu dem Schluß kommen muß, daß die Prüfer von TÜViT gar nicht analysiert hätten, ob bei der XP-Aktivierung vertrauliche Daten an Microsoft übermittelt würden, sondern die Vertrauenswürdigkeit des Verfahrens bereits vorausgesetzt hätten.

Es sind vor allem 4 Mängel der TÜViT-Studie, die von Wofgang Redtenbacher hervorgehoben werden:

1 - Es wurde nicht geprüft, daß die inspizierten Code-Teile wirklich mit den ausgeführten Code-Teilen übereinstimmen.
2 - Das Tool zur Prüfung der Aktivierungsdaten wurde von Microsoft zur Verfügung gestellt und war damit nicht unabhängig.
3 - Es wurde nicht untersucht, waren die übertragene Datenmenge die notwendige Menge um ein Vielfaches übersteigt.
4 - Es wurde nicht angegeben, für welchen Zeitraum das Ergebnis gilt.

Als er kritisch bei den Kollegen der TÜViT nachfragte, gaben die TÜViT-Prüfer sogar zu, daß sie die XP-Aktivivierung nicht nach internationalen Normen und Regelwerken geprüft hatten. Schließlich hatte Microsoft die Studie schon längst bezahlt und sie hatte - dank der Oberflächlichkeit der Redaktionen mancher PC-Zeitschriften - auch ihre beschwichtigende Wirkung erreicht.

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